Alf Seckel


Atelier-Galerie Bingenheim
 

Maler und Zeichner
Installationen|Objekte

 

"Meine Empfindungen flossen in den Entwurf"

Als ich von dem Arbeitskreis Jüdisches Leben in Echzell aufgefordert wurde, einen Entwurf für das geplante Mahnmal zu fertigen, hatte ich schnell verschiedene Ideen. Ich begann bereits mit der Umsetzung, als meine Frau mich bat, mich dem Rundgang „Spurensuche“ in Echzell im September 2012 anzuschließen, was ich tat.

Durch diese direkte Konfrontation mit der jüngsten Geschichte des Ortes, in dem ich seit mehr als 30 Jahren lebe, entstanden Bilder in meinem Kopf. Ich sah die Angst der Menschen, die aus ihren Häusern getrieben wurden – nicht ohne vorher ihr Hab und Gut aufgelistet zu haben - ich hörte diese barschen Stimmen der zur Abholung  berechtigten „Amtspersonen“, die Auftritte ihrer Stiefel ...
Ich fühlte die Furcht der ausgelieferten Menschen vor dem Ungewissen.

Die verbliebenen jüdischen Echzeller Bürger mussten sich zur Deportation nach Friedberg einfinden. Es waren zwei Menschen, die direkt aus ihrem Echzeller Haus abgeholt wurden.

Nicht, dass mir diese Tatsachen und die darauf folgenden Gräuel unbekannt gewesen wären, sicher nicht. Doch konnte die „Spurensuche“ mich den Verrat, die Ausgrenzung der Menschen aus der Gemeinde in der sie ihr bisheriges Leben verbracht hatten und die sie nun ins Verderben stürzte, diese Grausamkeiten erleben lassen. Authentisch. Lebensnah.

Mein eigenes Erleben, mein Fühlen, meine Empfindungen flossen nun ein in einen neuen Entwurf. Noch am gleichen Tag begann ich mit der ersten von dreißig geplanten Figuren. Sechsunddreißig Plätze. Sechs bleiben frei. Mit achtundzwanzig Figuren, die an neunundfünfzig Echzeller Bürger erinnern, wird dieses Mahnmal frei gegeben.

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